Wie steht es um die medizinische Versorgung in Hohenlockstedt?

22.08.2025

Bereits Anfang 2012 hatte die CDU Hohenlockstedt die Initiative ergriffen, um die seinerzeit gute allgemeinmedizinische Versorgung langfristig zu sichern und die fachärztliche Situation zugunsten der Hohenlockstedter zu verbessern. So wurde u. a. Verbindung aufgenommen zur Kassenärztlichen Vereinigung, von der man wichtige Informationen zu den Rahmenbedingungen für die ärztliche Versorgung in Hohenlockstedt erhielt. Weiterhin fand auf Einladung des CDU-Ortsverbandes ein Informationsgespräch statt, an dem mehrere Hohenlockstedter Ärzte teilnahmen. Auch der Sozialausschuss hatte sich auf Initiative der CDU-Fraktion im September 2013 mit dieser Angelegenheit befasst und beschlossen, einen Arbeitskreis „Medizinische Versorgung“ einzurichten. Dieser Arbeitskreis sollte die für Hohenlockstedt und Umgehung drohenden Unterversorgungsszenarien in der medizinischen Grundversorgung exakt beschreiben und Lösungsvorschläge entwickeln.

Im Jahre 2014 wurde dann in Erwägung gezogen, ein Ärztezentrum zu errichten. Ein geeignetes Grundstück, ein Investor und eine Ärztegruppe wurden gefunden, aber trotz einer bis ins kleinste Detail fertigen Planung wurde das Projekt im Herbst 2015 vom Investor aufgegeben, weil er sich mit der Ärztegruppe nicht über die Höhe der Miete einigen konnte.

Im Dezember 2017 gab es sodann eine Privatinitiative zur Errichtung eines Ärztehauses mit drei Arztpraxen und weiteren Räumen für Physiotherapie, Heilpraktiker oder Pflegedienst. Aber trotz eines positiven Bauvorbescheides und größtmöglicher Unterstützung durch die Gemeinde erhielt der Bürgermeister im Dezember 2018 die Nachricht, dass das Projekt nicht mehr realisiert werden soll.

Vor diesem Hintergrund stellte die Hohenlockstedter Kommunalpolitik Anfang 2019 neue Überlegungen an, auf welche Weise die medizinische Grundversorgung gesichert werden könnte. Hierzu gehörte auch die Alternative, das 1. Obergeschoss des Rathauses zu Arztpraxen umzubauen. Es wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die im Mai vorlag und derart positiv war, dass die Gemeindevertretung im Juni 2019 beschloss, das Vorhaben umzusetzen. Und dies ist auch geschehen. Anfang 2021 eröffnete der Allgemeinmediziner Arkadi Isaak gemeinsam mit seiner Ehefrau Lubow dort auf einer Fläche von ca. 230 m² seine behindertengerechte und barrierefrei zu erreichende Praxis.

Nach wie vor ist die Sicherstellung einer ausreichenden hausärztlichen Versorgung der Einwohnerinnen und Einwohner Hohenlockstedts ein wichtiger Aspekt der Daseinsvorsorge. Blickt man einige Jahre zurück, so kann man feststellen, dass es Zeiten gab, in denen in Hohenlockstedt vier Hausärzte ansässig waren. Alle Ärzte waren ausgelastet und dies ist ein Zeichen dafür, wie groß der Bedarf in Hohenlockstedt war und immer noch ist - insbesondere vor dem Hintergrund einer steigenden Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen aufgrund einer alternden Bevölkerung. Für Hohenlockstedt kann diesbezüglich festgestellt werden, dass der Anteil der über 65-Jährigen bis 2030 auf fast 30 % steigen wird.

Dieser Umstand war auch Anlass dafür, dass die Gemeinde im Rahmen der Erstellung eines Ortsentwicklungskonzeptes (OEK) das Planungsbüro Anfang 2022 beauftragt hatte, auch das Thema „Daseinsvorsorge/Sicherung der medizinischen Versorgung“ zu beleuchten. Dies ist auch erfolgt und das im Jahr 2023 beschlossene OEK macht zur Sicherung der medizinischen Versorgung folgende Aussagen:

Ausgangslage und Zielsetzung
Zum aktuellen Zeitpunkt verfügt die Gemeinde Hohenlockstedt über zwei Hausarztpraxen. Eine dieser Praxen wird derzeit durch drei Ärzte als Berufsausübungsgemeinschaft in den Räumlichkeiten des Rathauses betrieben. Der Betrieb der anderen ortsansässigen Praxis ist derzeit ungeklärt bzw. ungewiss. Im Rahmen des Beteiligungsprozesses berichteten Bürger häufig darüber, dass sie in die umliegenden Orte ausweichen müssten, um Hausarzttermine zu bekommen. Daher spielt die räumliche Nachbarschaft zur Kreisstadt Itzehoe und deren medizinisches Versorgungsangebot sowie der Stadt Kellinghusen und den dort ansässigen Ärzten und Ärztinnen bei der Versorgung der Hohenlockstedter Bürger eine wichtige Rolle. Hohenlockstedt kann so zwar bestehende Defizite zu einem gewissen Anteil ausgleichen, muss sich aber nichtsdestotrotz langfristig mit den aktuellen Trends der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum kritisch auseinandersetzen.
Unter diesen Voraussetzungen ist es für Hohenlockstedt sinnvoll, sich durch die Erstellung eines Konzeptes zur Sicherung der medizinischen Versorgung mit seiner zukünftigen Versorgungssicherung auseinanderzusetzen. Dies ist auch im Rahmen des Beteiligungsprozesses deutlich geworden:
- Die Teilnehmer des Auftaktworkshops regten an, über alternative Modelle zur klassischen Arztpraxis nachzudenken und Anreize für junge Ärzte zu schaffen, um sich in der Kommune niederzulassen.
- Es wurde weiterhin diskutiert, ein Ärztezentrum in Hohenlockstedt zu etablieren, in dem sich Ärztinnen und Ärzte einmieten können oder in Anstellung arbeiten.
- Weiterhin wurde angeregt, die Gemeindeschwester wieder aufleben zu lassen und in der Konzeption zu berücksichtigen.

Die Gemeinde hat die Empfehlungen aus dem Ortsentwicklungskonzept aufgegriffen und im Juni 2024 einen Arbeitskreis „Medizinische Versorgung“ unter der Leitung von Jonah Lau (CDU) ins Leben gerufen. Dieser tagt regelmäßig und erörtert zurzeit u. a. die Modelle „Remote Praxis“ und „Avatar-Praxis“. In diesem Zusammenhang wurden auch bereits Gespräche geführt mit den Initiatoren des Avatar-Projektes und dem Initiator des Remote-Projektes.

Die Gemeinde Hohenlockstedt arbeitet intensiv an der Lösung des vorhandenen und sich evtl. noch verschärfenden Problems.